Poesie und Philosophie über den ganz normalen Wahnsinn unseres Lebens. Poetry and philosophy about the everyday madness in our lives.

Archiv der ‘Poesie’ Kategorie


Unsicherheit 

Mittwoch, Januar 4th, 2006

Ein Spielplatz menschenleer
Golden scheint das Gras
Verschollen in Gedanken
ist das Kindergetobe
verlassen, tot, unbewohnt.
Zweifel an Erinnerung
Lachen hier und da
Verstummt die Augen
versteinert kalt
Das Herz
schlägt nicht mehr
schnell den Klang
der Einsamkeit
Mit wem sprechen
Taub im Sinn
Wer sie ist
weiß sie nicht
Träumereien im Tag
was sie darstellt
von weiter Ferne
wieder hier
Boden der Gegebenheit
fader Nachgeschmack
bleibt im Kopf
was vergessen sein sollte
Denk an sie
das wird nie
Abzuschätzen die Chancen
sehr gering
Doch weiter gehen
fällt manchmal schwer
Aufraffen zusammenreißen
Lieber Ruhe -
Schlafe ein

White Christmas 

Samstag, Dezember 24th, 2005

Weiße Weihnacht – wann hatten wir das schon?
Doch lasst mich ein paar Worte sprechen
Worte die wie Schneeflocken vom Himmel fallen
und eine Schicht über den tristen Alltag legen
sodass die Worte die Welt verstecken
und die damit verbundenen Sorgen verdecken

Ein Jahr reich an neuer Erfahrung neigt sich dem Ende
2006 kommt der Aufschwung – kommt die Wende?

Der Bundeskanzler ist nun eine Frau
zuerst dachte man wohl: “was ein Gau”
Doch rückt man die Angelegenheit ins richtige Licht
trüben keine Vorurteile mehr die Sicht
Muss man schnell doch eingestehn
was geschehn ist ist geschehn
Und was Herr Schröder hat nicht ganz geschafft
die liebe Merkel auch nicht rafft
Wer kurz nachdenkt ohne größere List
der stellt bald fest – alles bleibt genau so wie es ist.

Anfang des Jahres gab es gleich Gejammer
tot aufgefunden wurde Rudolph Moshammer
Tja – Hätte er bei der Qual der Wahl
doch lieber ein schnurloses Telefon genommen aus dem Regal
Doch wer hätte das gedacht
dass Handystrahlung lebendig macht

Manch Berliner fragte sich im Mai
was das mit den Blöcken sei
Doch wer ab und an die Nachrichten schaut
hätte gewusst was dort wird gebaut
Viele Klötze hier rumliegen
uns erinnern an das Kriegen

Lidl verkaufte Bahntickets für nen Apfel und ein Ei
das verursachte vielfach schnell Geschrei
Denn viele Kunden freuten sich zu früh
umsonst war für sie die Aufstehmüh

Bei der Tour de France hätte man wohl nicht erwartet
dass Lance Armstrong nochmal startet
Doch das wäre doch gelacht
er hat sogar den ersten Platz gemacht
Doch die Tour nun hin oder her
Schröder wollte seinen Platz nicht mehr

Der Polenpaule musste nach langer Krankheit passen
und hat uns in diesem Jahr verlassen
Das Läuten im Vatikan kündigte doch schon bald an
ein neuer deutscher Papst muss ran
Ein heiliger Käfer hat man sich gedacht
als man sein Gebot für Ratzingers Beatle bei eBay hat gemacht

Wer hätte Anfang des Jahres schon gerochen
dass Micheal Jackson wird mal wieder freigesprochen
Ob nun pädophil oder nicht
wissen wohl nichtmal die Geschworenen vom Gericht

In Deutschland wie in den USA
war das Badewetter wunderbar
Baden – das war was viele Gebäude machten
als Tief Norbert und Katrina auf uns Menschen herablachten
Keine Panik – denn mit ein wenig Pfiff
hat George Bush alles sicher im Griff
Genauso wie seinen sinnlosen Krieg
den definierte er mal eben schnell als Sieg.
Denn mit den prima demokratischen Wahlen
enden für alle im Irak die Qualen.

Nun das zum Jahr 2005
auch wenn man hier und da die Nase rümpft
hoffe ich, ich konnte den Tag euch kurz erhellen
denn das ist alles was ich wollte an diesem heiligen Tag
für den, der es eben heilig mag
Mit diesen zusammenfassenden Worten
wünsche ich ohne kleine Torte
Ein frohes neues Jahr
und ein Fest ganz wunderbar
Guten Rutsch und solche Dinge eben
auch wenn es noch so klingt als seis daneben.

Über das Dichten 

Mittwoch, November 30th, 2005

Zeile für Zeile
Stück für Stück
Träne für Träne -
Träge entsteht ein neues Werk
noch kein Riese, nur ein Zwerg
Die nächste Zeile ungewiss
es fehlt ihr noch der richtige Biss
doch es muss weitergehen
neue Strophen schnell ersehen
Emotionen versteckt in kahlen Worten
erdichtet ein Stück – an seltsamsten Orten
Herzensschmerz im schnellen Takt
teils Fiktion, doch auch teils Fakt
Ein weiterer Reim stürzt sich müde auf das Blatt
bis der Dichter es hat satt
Im faden Licht
die Feder bricht
Der Kiel zerstört
die Kunst empört
Schnell repariert das Schreibgerät
gen Himmel geht ein Stoßgebet
Die Feder fliegt
der Schreibtisch wiegt
Noch mehr Dichtergedanken
leise über das Papier hinranken
Träume gleiten schnell hinfort
zu einem vielleicht schöneren Ort
Die Worte jedoch gehören keinem
ein Dichter benutzt sie nur zum reimen
Alle Reime schonmal da gewesen
auf einen Haufen gekehrt mit dem Lyrikbesen
So ist die Dichtekunst – wie sehr verkehrt
auch nur ein weiteres Regelwerk
Die kratizge Feder nicht mehr singt
ihr Echo schnell verklingt
Schnell noch eine interessante Wende
Doch das war es schon. Ende

Real 

Sonntag, November 6th, 2005

Für eine Berührung zu sterben
Dich zu sehen -
schon genug.
Deine Nähe zu fühlen
ein Funkenschauer im Bauch
Tatsächlich zu erleben wer du wirklich bist
zu träumen davon -
ich mir bisher kaum gewagt
Fantasien in Gedanken
zu wissen wie es wäre
Zusammendichten von Gedankenfetzen -
in Wirklichkeit ist alles anders
Real will ich spüren
Kontakt zu dir
“Wish you were here”

I’ve been alone with you inside my mind
And in my dreams I’ve kissed your lips a thousand times
I sometimes see you pass outside my door
Hello, is it me you’re looking for?

I can see it in your eyes
I can see it in your smile
You’re all I’ve ever wanted, and my arms are open wide
‘Cause you know just what to say
And you know just what to do
And I want to tell you so much, I love you [...]

(Song by Lionel Richie – Hello)

Dream 

Samstag, Oktober 29th, 2005

Ein Traum der sie, die mir so weit entfernt scheint näher bringt –
zum greifen nah
Aber es ist und bleibt doch nur ein Traum -
strecke die Hand aus und versuch sie zu berühren.
“Ich will dich lieben bis in alle Ewigkeit” -
sprach ich und berührte sie, da war sie Schnee.
Der Traum geht, die Distanz bleibt -
Wir sehen uns wieder.

Irgendwann.

Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum
still und verklärt wie im Traum.
Das war des Nachts elf Uhr zwei.
Und dann kam ich um vier
Morgens wieder vorbei.
Und da träumte noch immer das Tier.
Nun schlich ich mich leise – ich atmete kaum -
gegen den Wind an den Baum,
und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.
Und da war es aus Gips.

(Gedicht von Joachim Ringelnatz – Im Park)