Poesie und Philosophie über den ganz normalen Wahnsinn unseres Lebens. Poetry and philosophy about the everyday madness in our lives.

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Occam’s razor

Mittwoch, Mai 11th, 2011

non sunt multiplicanda entia sine necessitate

Ockhams Rasiermesser (engl. Occam’s razor) beschreibt ein Sparsamkeitsprinzip. Fälschlicherweise interpretiert man die Aussage häufig als “Wenn es mehrere Erklärungen für ein und den selben Sachverhalt gibt, so ist die einfachste die plausibelste”. An dieser Fehlinterpretation ist nicht zuletzt unser geliebtes Hollywood schuld. Die Aussage wird ziemlich genau so im Film “Contact” (1997) gegen Ende gemacht. Die richtige Aussage hinter Ockhams Rasiermesser wäre:
Von mehreren Theorien, die den selben Sachverhalt erklären können, sind die einfachen vorzuziehen. Alternativ könnte man auch sagen, dass ein Zusammenhang so einfach wie möglich erklärt werden sollte. Das soll nun erstmal genug wikipedia für heute sein.

Interpretieren wir Ockhams Rasiermesser auf Beziehungen zwischen Menschen um. Jeder hängt in solch einem Fall fest oder hing darin. Man steigert sich selbst in eine imaginäre Beziehung mit einer geliebten Person hinein. Verliert den Kopf und interpretiert alles so positiv wie es nur geht. Man kann aus jedem freundlichen Wort mehr machen als es ist. Man kann von jedem Lächeln, das man geschenkt bekommt, Woche um Woche zehren. Oder man kann versuchen die Welt zu sehen wie sie ist. Vergiss die Zeit die ihr miteinander verbringt. Kommt sie / er auf dich zu, oder geht die Initiative nur von dir aus? Belüg dich nicht selbst, sondern sei einfach ehrlich zu dir selbst. Die Erkenntnis tut weh, aber einfach ist sie doch: Das Gefühl mit dem du dein Herz erwärmst ist deines allein. Es kommt nichts zurück, wenn du nicht aktiv danach fragst. Man gibt sich nur mit dir ab, wenn man nichts anderes vor hat oder – um dir nicht weh zu tun.

Wenn du viele Erklärungen hast warum es aktuell nicht so prima zwischen euch läuft, so ziehe die einfachen Erklärungen vor. Die einfachen Erklärungen – die so schwierig zu erkennen und zu akzeptieren sind.

Geliebte, lass dir sagen: Wenn du weißt, dass dein Gegenüber mehr für dich empfindet als du selbst; lass ihn nicht in der Schwebe. Sag ihm, dass da nichts ist, auch wenn dadurch Welten untergehen. Neue Welten können erst entstehen, wenn der Bann erstmal gebrochen.

rocket science

Mittwoch, April 27th, 2011

(Im folgenden nehme ich überhaupt keine Rücksicht auf wissenschaftliche Tatsachen – Ich ziehe völlig falsche Analogien und Schlüsse – Na und? Der Text ist schön…)

In Englisch sagt man “Love should not be rocket science”. Das bedeutet übersetzt so viel wie die Liebe ist keine komplexe Wissenschaft, oder wie man bei uns sagt “kein Hexenwerk”.
Ich kann dieser Aussage voll und ganz zustimmen:

In meinen Augen verhält sich das Leben und die Liebe keinenfalls wie Raketenwissenschaft. Raketenwissenschaft ist viel zu einfach. Was dem ganzen näher kommt ist die Quantenphysik. Nun wir alle wissen, wie Quantenphysik funktioniert… Nagut, wissen wir nicht. Das hält mich aber nicht davon ab auf einen bestimmten Aspekt ihrer einzugehen. In der Quantenphysik gibt es die sogenannte Heisenberg’sche Unschärferelation. Diese umfasst im Grunde drei Aussagen mit denen ich mich hier kurz beschäftigen möchte.

Aussage 1) Es ist nicht möglich ein Quantenteilchen so zu präparieren, dass zwei verschiedene Quanteneigenschaften beliebig genau messbar wären.

Wir hangeln uns von dieser Aussage zurück zum Thema Liebe. Wir interpretieren die Beziehung als Quantenteilchen und in diesem Fall die Eigenschaften als die beiden Menschen, die an dieser zwischenmenschlichen Beziehung teilnehmen. Das ist in der Quantenphysik völlig legitim denn Welle ist bekanntlich Teilchen und anders herum.

Folgerung:

Der Beziehungscharakter zwischen uns ist eindeutig, trotzdem scheint es unmöglich uns beide zusammen zu bekommen. Es gibt nur dich oder mich – zusammen ergeben wir ein ungenaues Ergebnis.
(Und bevor jetzt jemand ankommt, mit unscharf und ungenau sind zwei verschiedene paar Schuhe… Wenn ich einer Frau sage, dass sie mit mir zusammen total unscharf ist, wird das sicher nie was… So! Das musste ja gesagt werden)

Aussage 2) Es ist nicht möglich zwei verschiedene Quanteneigenschaften eines Quantenteilches gleichzeitig zu messen.

Diese Aussage bestärkt die erste und sagt prinzipiell:

Selbst wenn ich dich liebe, liebst du mich nicht. Erst wenn ich dich nicht mehr liebe, wirst du mich lieben.
(Man könnte einen Roman drüber schreiben… oder: Man könnte genau das bleiben lassen.)

Aussage 3) Mit der Messung einer Eigenschaft wird zwangsläufig die Messung der anderen Eigenschaft verfälscht.

Klingt einfach genug. Ist es aber nicht. Kern der Aussage ist: Man kann nicht schauen ob etwas da ist, ohne dabei etwas beim anderen zu Verändern. Jeder kennt das – nur, so vermute ich, nicht aus der Quantenphysik.

Die bittere Erkenntnis dieser Aussage ist:
Ich kann dich nicht küssen, ohne, dass du danach anders über mich denkst. Wenn ich es aber nicht tue werde ich es nie erfahren. Zum Guten oder zum Schlechten – Ich könnte etwas sehr positives erreichen, oder ich könnte dich für immer verlieren. Ist es das wert?

Weihnachten – Ein Trauerspiel

Freitag, Dezember 24th, 2010

Es ist der 24. Dezember und wir alle wissen was das heißt: Es wurde seit ca. einem Monat eine überproportionale Menge an Glühwein konsumiert und Geld für Geschenke raus geworfen. Kurz gesagt: Es weihnachtet sehr.
Wir packen unseren Sonntagsanzug aus und pilgern in die Kirche. Dieses eine mal im Jahr ist quasi Pflicht – in der Kirche ist Anwesenheitskontrolle. Wer nicht kommt, sinkt massiv im Ansehen der Dorfgemeinschaft. Man findet kaum einen Sitzplatz, wo sonst das Jahr über vereinzelt Vögel ihre Nester bauen und ausladend große Spinnennetze vergeblich versuchen Moskitos zu einer guten Mahlzeit zu überzeugen. Wer sich hier als Christ bezeichnet, hat einfach alles verstanden, denn: Spaß… Verzeihung… Glaube ist, was du draus machst.
Wer sich nicht in der Kirche blicken lässt, verliert automatisch das recht Kerzen anzuzünden und Geschenke zu verteilen. Das ist auch klar, denn nur wer Christ ist darf Christi Geburtstag feiern. Wo keine Feier, da auch keine Geschenke. Aber Geschenke, die brauchen wir schon. Christus würde sich beim Ausdruck Weihnachtskommerz wohl im Grabe umdrehen. Wenn er nicht in den Himmel aufgefahren wäre. Nun kann er sich stattdessen die Haare raufen oder alternativ: Wasser zu Glühwein verwandeln und sich die Kante geben.
Aber warum schenken wir eigentlich zu Weihnachten? Haben wir ein Drei-Heilige-Könige-Gen das durchbricht? Bin ich der Moor aus dem Abendland? Nein? Hier eine These: Wir schenken weil wir Egoisten sind. Wer schenkt nicht mal eine Kleinigkeit um zu schauen, was zurück kommt? Wer schenkt nicht, um das leuchten in den Augen der beschenkten zu genießen? Wer schenkt nicht, um einmal das beste Geschenk gemacht zu haben? Es gibt viele Gründe, aber keiner ist selbstlos. Ein selbstloses Geschenk wäre z.B., wenn ich mein Konto abräume und den Inhalt an eine Hilfsorganisation spende. Wer tut das? Niemand. Denn man hat ja selbst nichts davon. Man spendet mal einen kleinen Betrag um das Gewissen zu beruhigen, oder lässt in der Kirche 10 Euro in der Opferkasse – das wird ja wohl reichen für ein Jahr!
Weihnachten, das ist eine Kombination aus Konsum und Kerzenlicht. Kitsch, Knatsch und Krisensitzung beim Festtagsmahl. In diesem Sinne wünsche ich euch, eurem Konsum und dem Konsum eurer Familien, Bekannen und Verwandten eine 0%-Finanzierung und ein ansonsten wunderschönes Fest.
Denkt an den Notgroschen! Silverster ist auch gleich, und dann muss man bares Geld in Form von Qualm und Knall gen Himmel schießen.

blind

Samstag, März 14th, 2009

Ein Mensch ist fehlerhaft in vielen Hinsichten. Das ist gut so, denn wären wir alle perfekt, wären wir alle gleich und das Leben wäre ziemlich langweilig. Auf der anderen Seite würde es weniger Probleme geben. Ich möchte nicht, wie so oft, auf allgemeine Menschheitsprobleme eingehen. Nein – heute ist es an der Zeit den eigenen Schrank auszuräumen.
(weiterlesen …)

Melancholie in Stereo

Mittwoch, Januar 14th, 2009

Das ist es also – das echte Leben.
Und dann… vielleicht auch nicht.
Im Schnitt ein viertel Leben braucht ein Mensch
um zu stehen wo ich nun stehen kann;
Auf einem Sprungbrett ins Ungewisse.
Bisher an der Hand geführt, von Eltern, Geschwistern – Familie allgemein, Freunden, Kindbetreuern, Leherern und vielleicht sogar Professoren.
Wer weiß schon wo er morgen steht?
Wer weiß ob er den richtigen Weg einschlägt?
Was ist ein Abschluss schon mehr als ein Dokument, das uns weiter in ein Gatter zwängt -
Uns vergleichbarer macht für einfache Entscheidungen.
Er hat es, Sie hat es und doch viele haben’s nicht.
Im Gatter sind wie aufgestiegen, doch sind weiterhin Sklaven unseres selbst geschaffenen Ideals vom gleichförmig perfekten Mensch.
Leben bedeutet Vielfältigkeit und doch sind Jahr vergangen, seit dem die Ströme in unseren Köpfen in Wegen geflossen sind, die in keinem Lehrbuch oder Skript zu finden sind.
Mensch! Wo ist dein eignes Selbst geblieben?
Wo bist du? Ist das DEIN Leben?
Wohin geht die Reise von hieran jetzt?
Wird es einfacher werden oder nicht?
Vielleicht nur anders aber irgendwie doch gleich -
Gleich den anderen die es da auch noch gibt.
Geprägt durch den sterilen Apparat gehen wir in eine uniforme Welt, die an Vielfalt schier erstickt – und sich doch im Kleinen alles gleicht.
Auf der Suche nach Muster im Chaos, auf dem Weg in die digital gerasterte Welt.
Für diesen Weg wünsche ich euch nur das Beste -
Gleichzeitig aber muss ich sagen -
Diesen Weg geht ihr allein!
Alle die ihr kennt und liebt, werden jetzt und später von euch gehen.
Doch das ist nicht schlimm – zumindest nicht auf weite Sicht.
Nur wo etwas ist, kann etwas fehlen.
Nur wo jemand war, kann vermisst werden.
Nur wo man lebt, kann man auch sterben
Wo Bewegung ist kann Stillstand sein -
Allein der Tod definiert das Leben.

battlefield

Samstag, Mai 17th, 2008

Ein Jahr mehr auf dem Buckel – mal wieder. Sollte mich das glücklich stimmen? Selbst wenn es das sollte, tut es das momentan nicht. Vermutlich hat das nichts damit zu tun, dass ich ein Jahr älter werde, sondern mit den Gedanken die mich immer wieder an solchen Tagen einholen.
Ein weiteres Jahr verbucht auf ein Konto dessen Inhalt man nie plündern kann. Ein Jahr voller Emotionen, Erfahrungen, Gefühlen – Fehlern. Im Nachhinein stellt sich vieles, von dem was richtig schien, als Fehler heraus. Oder sind es nur die Fehler an die man sich erinnert? Wann habe ich eigentlich das letzte mal etwas richtig gemacht? Wann war ich das letzte mal glücklich? Und wann habe ich das letzte mal etwas gesagt wie “Ich liebe Dich” und hätte mir im Nachhinein nicht lieber die Zunge dafür abgebissen?
Alter macht nicht weiser – so viel wird mir langsam klar. Alter sorgt nur dafür, dass man verbitterter und vorsichtiger wird. Mit jedem Tag, jeder Stunde und jeder Minute steigt die Anzahl der Momente, die ich lieber vergessen möchte.
Das Leben ist wie ein Schlachtfeld und wir alles sind nur Bauern, Kanonenfutter für das Universum.

Imperfection

Sonntag, April 16th, 2006

Tage wie diese erinnern daran, dass der Mensch kein Einzelgänger ist. Ein Mensch gehört nicht alleine und kann doch auch nicht zusammen. Eine wirre Konzeption aus verführerischen Einbildungen, die Einsamkeit suggerieren, selbst wenn man sich in einer Menschenmenge bewegt, die vor Leben pulsiert. Ein lebendiger Strom, der vorbei gleitet und sich wie in Zeitlupe um Dich dreht. Die Bewegungen der Menschen um dich herum sind träge und kaum begreifbar, so langsam scheinen sie. Lautes dröhnen der Musik, von dem nur ein Echo in die eigene Realität eindringt. Nicht ein Ganzes, sondern nur ein halbes Leben führst du Mensch, wenn du nicht dein Gegenstück gefunden hast. Das Gegenstück, dass dich zu mehr macht als du bist und doch mehr dein selbst aus dir heraus holt als alles andere. Deine Vervollständigung, deine Ergänzung um den fehlenden Teil, von dem du gar nicht wusstest, dass er dir fehlt bis du ihn getroffen hast. Grundverschieden und doch auf einer Ebene, sich gegenseitig vollendend. Ein Mensch, dessen es nicht mehr Bedarf, als bloße Anwesenheit. Er gibt dir Geborgenheit und den Schutz den du suchst. Beschützt dich vor dir selbst und deinen Gedanken, die dir selber Schaden zufügen. Nur ein Stück freie Haut, das wärmend strahlt, vergessen lässt den Alltag. Weich und sanft, bebend vor Leben. Unbegreiflich ist was hier passiert.

Ohne dich Gegenstück – ist alles leer und unbedeutend. Unvollständig lässt du, was sich nach Vollständigkeit sehnt. Mich.

Falls dies je der richtige Mensch lesen sollte, wird dieser wissen, dass er gemeint ist . . .

Hold up… hold on… don’t be scared
You’ll never change what’s been and gone
May your smile… Shine on… Don’t be scared
Your destiny may keep you warm.

Because all of the stars are fading away
Just try not to worry you’ll see them some day
Take what you need and be on your way
And stop crying your heart out

Get up… Come on… why you scared
You’ll never change what’s been and gone

(Oasis – Stop Crying Your Heart Out)

Gebet

Montag, Januar 30th, 2006

Lieber Gott,
Du weißt, ich bin kein großer Fan von dir.
Du weißt, dass ich mich vor langer Zeit vom Glauben abgekehrt habe.
Du weißt, ich bin weder ein besonders guter, noch ein besonders schlechter Mensch.
Mein Kontakt zu dir ist abgerissen als ich den Glauben an das Himmlische verlor.
Dennoch weißt du auch, dass ich wie wenige Menschen an das Unerklärliche glaube.
Es war mir egal, woher die Ordnung im Chaos kam, da niemand solche Fragen beantworten kann.
Gott, du bist das Symbol für diese Kraft, die sämliches Leben überall schafft.
Es ist egal, wer oder was du bist, es ist dir möglich dies zu lesen und meine Gedanken zu sehen.
Dieses Leben hast du mir geschenkt.
Ich musste dich nicht bitten, aber gefragt hast du mich auch nicht.
Wenn es dich tatsächlich gibt, dann sage ich hiermit Danke für dieses Geschenk.
Und wenn es dich wirklich gibt, dann bitte ich dich aufrichtigst um einen Gefallen.
Um den größten Gefallen den du mir tun kannst – und schuldig bist.
Nimm es zurück!
Nimm das Leben zurück, das du mir geschenkt hast.
Nimm die Erinnerungen, die ich habe und lösche mich aus.
Ich will dieses Leben nicht, ich habe dich nicht darum gebeten.
Und wenn du einen Funken Anstand hast, dann weißt du, dass das richtig wäre, denn dieses Leben hat mir nichts zu bieten.

Unreal

Montag, Oktober 31st, 2005

Die Zukunft ist ein offenes Fenster, duch das zu blicken der Mensch nicht im Stande ist. Im gewisser Weise durchreisen wir die Zeit, nur eben in einer Richtung. Es geht immer vorwärts in die Zukunft und wie die Zukunft aussieht, weiß niemand.
Wir haben aufgehört zu fragen, wie die Zukunft aussieht weil wir es nicht voraussehen können. Vielleicht kann man das Wetter vorhersagen oder andere Dinge die in naher Zukunft geschehen könnten, aber es handelt sich nur um Spekulationen. Niemand weiß wie es tatsächlich geschehen wird.
Wir wissen, dass wir die Zukunft nicht voraussehen können und dass wir die Vergangenheit nicht mehr beeinflussen können. Aber was ist die Vergangenheit eigentlich? Vergangenheit ist alles was vor dem momentanen Zeitpunkt liegt. Woher weiß man, dass etwas in der Vergangenheit passiert ist? Man erinnert sich daran – an einige Dinge besser, an andere Dinge schlechter. Aber was sind schon Erinnerungen? Erinnerungen sind im menschlichen Gehirn nichts weiter als Synapsenverbindungen und elektrische Impulse in einer sehr komplexen Struktur. Aber das heißt doch auch, dass Erinnerungen manipuliert werden können. Was also ist Vergangenheit wenn das, woran wir uns erinnern, manipulierbar ist? Können wir unsere eigene Vergangenheit überhaupt beweisen?
Ich habe gestern zwei Artikel geschrieben, die man hier auf der Seite lesen kann. Ich habe Notizen von den Entwürfen dieser Texte. Ich erinnere mich daran, den Text selbst hier eingetragen zu haben. Aber beweist das irgendetwas? Wohl kaum! Wer kann mit Sicherheit ausschließen, dass das, was ich aufgeschrieben habe, nicht schon vor gestern da war und dass ich nur die Erinnerung habe, es gestern geschrieben zu haben? Wer kann mir sagen, dass ich am gestrigen Abend nicht gestorben bin, jemand meine physikalische Gestalt ersetzt hat und meine Erinnerungen aus meinen Überresten wiederhergestellt hat? Selbst materielle Beweise könnten erst seit wenigen Sekunden dort sein wo sie sind, wenn einem Menschen oder allen, die eine Erinnerung an das vorherige Aussehen eines Dinges hatten, die entsprechenden Erinnerungen verpasst werden, dass dieses Ding schon lange dort steht.
Auf den Punkt gebracht bedeutet dies alles doch, dass wir nicht wissen wie unsere Vergangenheit tatsächlich aussieht, geschweige denn, was Vergangenheit tatsächlich ist. Wir wissen also weder wie die Zukunft aussieht, noch wie die Vergangenheit aussieht. Wir wissen nur was wir in genau diesem Moment tun und denken und auch das ist schon wieder Vergangenheit und somit fraglich ob wir es jemals gedacht oder getan haben.

Nun… Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?
Das sind Fragen die nur derjenige oder diejenige beantworten könnte, der/die unsere Erinnerungen kontrolliert und woher wissen wir bei dieser Entität, dass ihre Erinnerungen eigene sind und nicht aufgeprägte?

Hass

Donnerstag, Oktober 27th, 2005

Rosen, Tulpen, Nelken, alle Blumen welken, nur die eine nicht und die heißt Vergiß-mein-nicht!

Vergessen ist ein Luxus den sich kaum einer leisten kann. Hand aufs Herz, die eine oder andere Erinnerung würde doch jeder gerne aus seinem Gedächtnis streichen. Sei es weil es einfach nicht in das Gesamtbild eines Menschen passt oder weil man es einfach nicht wahr haben möchte, dass einem soetwas schreckliches oder peinliches jemals widerfahren ist.
Erstaunlicherweise sind es garnicht die Leute, mit denen uns viel verband, die, die uns lange verfolgen. Es sind die Menschen die einem Unrecht angetan haben, Schmerzen zugefügt oder seelisch verletzt haben. Der Hass auf diese Menschen bleibt – oft das ganze Leben lang – es kommt sogar vor, dass der Hass über Generationen weiterleben darf. Er wird weitergegeben und verstärkt durch neue “Erkenntnisse”. Oft genug reicht die Saat in Form von Zweifeln um ein Gebilde aus Vorurteilen, Verleumdungen und dem daraus entstehenden Hass entstehen zu lassen.
Hass im Gegensatz zu vielen anderen Emotionen ist viel realer als positive Gefühle wie Freude, Lust, Liebe. Man kann Hass fühlen. Er sitzt irgendwo zwischen den Rippen und dem Rückgrad und einmal entfacht rast das Herz und pocht wie wild, Hitze steigt ein einem Menschen auf und Aggression baut sich innerhalb von Sekunden auf. Welches andere Gefühl ist so real? So fühlbar? So lange haltbar? Freundschaft, Zuneigung, Liebe – das alles sind vergängliche Gefühle, nur Hass darf bleiben.
Hass auf etwas oder jemanden ist nicht gut, er zerfrisst die Seele eines Menschen. Trotzdem bleibt er immer bei uns/in uns. Man kann ihn nicht loswerden – nur durch den Tod.

Vergiß-mein-nicht – Segen oder Fluch? Manchmal würde ich lieber vergessen und den Hass der sich in meiner Brust festgefressen hat einfach hinausspülen, doch dann weiß ich doch, dass ich nicht der wäre der ich bin. Denn nur mit den Erinnerungen und den Gefühlen die ich in mir trage bin ich ich – ein Individuum das aus den lebendigen Erinnerungen meiner Erlebnisse resultiert.