Poesie und Philosophie über den ganz normalen Wahnsinn unseres Lebens. Poetry and philosophy about the everyday madness in our lives.

Archiv für Oktober, 2005


Unreal

Montag, Oktober 31st, 2005

Die Zukunft ist ein offenes Fenster, duch das zu blicken der Mensch nicht im Stande ist. Im gewisser Weise durchreisen wir die Zeit, nur eben in einer Richtung. Es geht immer vorwärts in die Zukunft und wie die Zukunft aussieht, weiß niemand.
Wir haben aufgehört zu fragen, wie die Zukunft aussieht weil wir es nicht voraussehen können. Vielleicht kann man das Wetter vorhersagen oder andere Dinge die in naher Zukunft geschehen könnten, aber es handelt sich nur um Spekulationen. Niemand weiß wie es tatsächlich geschehen wird.
Wir wissen, dass wir die Zukunft nicht voraussehen können und dass wir die Vergangenheit nicht mehr beeinflussen können. Aber was ist die Vergangenheit eigentlich? Vergangenheit ist alles was vor dem momentanen Zeitpunkt liegt. Woher weiß man, dass etwas in der Vergangenheit passiert ist? Man erinnert sich daran – an einige Dinge besser, an andere Dinge schlechter. Aber was sind schon Erinnerungen? Erinnerungen sind im menschlichen Gehirn nichts weiter als Synapsenverbindungen und elektrische Impulse in einer sehr komplexen Struktur. Aber das heißt doch auch, dass Erinnerungen manipuliert werden können. Was also ist Vergangenheit wenn das, woran wir uns erinnern, manipulierbar ist? Können wir unsere eigene Vergangenheit überhaupt beweisen?
Ich habe gestern zwei Artikel geschrieben, die man hier auf der Seite lesen kann. Ich habe Notizen von den Entwürfen dieser Texte. Ich erinnere mich daran, den Text selbst hier eingetragen zu haben. Aber beweist das irgendetwas? Wohl kaum! Wer kann mit Sicherheit ausschließen, dass das, was ich aufgeschrieben habe, nicht schon vor gestern da war und dass ich nur die Erinnerung habe, es gestern geschrieben zu haben? Wer kann mir sagen, dass ich am gestrigen Abend nicht gestorben bin, jemand meine physikalische Gestalt ersetzt hat und meine Erinnerungen aus meinen Überresten wiederhergestellt hat? Selbst materielle Beweise könnten erst seit wenigen Sekunden dort sein wo sie sind, wenn einem Menschen oder allen, die eine Erinnerung an das vorherige Aussehen eines Dinges hatten, die entsprechenden Erinnerungen verpasst werden, dass dieses Ding schon lange dort steht.
Auf den Punkt gebracht bedeutet dies alles doch, dass wir nicht wissen wie unsere Vergangenheit tatsächlich aussieht, geschweige denn, was Vergangenheit tatsächlich ist. Wir wissen also weder wie die Zukunft aussieht, noch wie die Vergangenheit aussieht. Wir wissen nur was wir in genau diesem Moment tun und denken und auch das ist schon wieder Vergangenheit und somit fraglich ob wir es jemals gedacht oder getan haben.

Nun… Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?
Das sind Fragen die nur derjenige oder diejenige beantworten könnte, der/die unsere Erinnerungen kontrolliert und woher wissen wir bei dieser Entität, dass ihre Erinnerungen eigene sind und nicht aufgeprägte?

Tourist

Sonntag, Oktober 30th, 2005

In some way live is a journey.
People travel from location to location – from event to event. Without a rest we experience one highlight after another. The funny thing about it is that this life is more passive than everything else I’ve ever seen. People don’t live their own lifes. They consume the highlights of others – they consume the show that’s offered by live itself. People act like tourists of life standing behind fences – looking at sights. Sights which are the the memories and lifes of others.
What wouldn’t I give to break this habit? I don’t want that kind of life. I just want to live for myself.
Quit playing tourist of life. Don’t lean back and enjoy the show. Think your own thoughts. Live your own life.

[...]Memories they keep coming through
The good ones hurt more
Than the bad ones do [...]

(Lyrics by A-Ha – Forever not yours)

This European air,
It always warms my face,
I wish I could buy some.

I will bring you stories,
And bleary eyed photos,
Like a regular tourist.

We don’t go breaking down,
I feel like nothing ever will,
We don’t go breaking down,
I feel like nothing.

Suitcases down our street,
Are rolling once again,
I roll away with them,
Five days inside Zoo York,
To lose myself with friends,
I’m nowhere without you.

We don’t go breaking down,
I feel like nothing ever will,
We don’t go breaking down
(I don’t believe)
I feel like nothing ever will,(we will)
We will never go breaking down,
I feel like nothing.

Just wanna be with you, my baby
[...]

I’m counting up the cost of time,
And will embrace our time away,
We cannot save ourselves alone,
Or rely on a mobile phone.

Just wanna be with you, my baby
[...]

(Lyrics by Athlete – Tourist)

Some kind of life

Sonntag, Oktober 30th, 2005

Do you live your own live or
do you live the life that people tell you to.
Isn’t it amazing how time goes by
you close your eyes for a second
and half of your life is gone.
For what it’s worth that’s what I ask
and noone will ever find the answer, I guess.
I tried to belive in nothing but sometimes
things turn out to be more complicated
Our very existance is the proof
that there is more out there.
You may not believe
in God or the Holy Spirit
but if you don’t – what do you believe?
Our own history holds many mysteries
and unexplaneable circumstances.
I guess I have to belive in something after all
So I believe in life itself.
It’s the spirit that runs though your veins
Feel the life inside yourself
and watch it rise as you listen.
It’s not about you and me
but maybe more than between everybody else.
So – did you ever hat that feeling
that your just a watching guy?
You watch the world go by.

Dream

Samstag, Oktober 29th, 2005

Ein Traum der sie, die mir so weit entfernt scheint näher bringt –
zum greifen nah
Aber es ist und bleibt doch nur ein Traum -
strecke die Hand aus und versuch sie zu berühren.
“Ich will dich lieben bis in alle Ewigkeit” -
sprach ich und berührte sie, da war sie Schnee.
Der Traum geht, die Distanz bleibt -
Wir sehen uns wieder.

Irgendwann.

Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum
still und verklärt wie im Traum.
Das war des Nachts elf Uhr zwei.
Und dann kam ich um vier
Morgens wieder vorbei.
Und da träumte noch immer das Tier.
Nun schlich ich mich leise – ich atmete kaum -
gegen den Wind an den Baum,
und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.
Und da war es aus Gips.

(Gedicht von Joachim Ringelnatz – Im Park)

Sunrise Sunrise

Freitag, Oktober 28th, 2005

… looks like morning in your eyes.

Es ist Freitag. Ein schöner Tag. Die Uni kann heute lange warten, denn ich schlafe heute ausnahmsweise aus. Es ist schon etwas länger her, dass ich vom Sonnenlicht, das sich seinen Weg in mein Zimmer bahnt, geweckt wurde. Muttern wurde aus dem Land gejagt oder besser herauskomplimentiert – die Nachwirkungen des Geburtstagsgeschenks zu ihrem 60sten Geburtstag treten langsam ein – die kommende Woche wird sicher prima – denn die Frau des Hauses ist in San Francisco.
Nur schade, dass das kleine Monster, das auch liebevoll “kleiner Bruder” genannt wird, nicht auch sinnvoll entsorgt werden konnte. So hat der Spaß auch eine Kehrseite – aber was man nicht alles tut…

Jetzt ist erstmal Feierstimmung angesagt – denn bis einschließlich Dienstag bleibt der Rolladen unten und die FH auf Sicherheitsabstand.

Hass

Donnerstag, Oktober 27th, 2005

Rosen, Tulpen, Nelken, alle Blumen welken, nur die eine nicht und die heißt Vergiß-mein-nicht!

Vergessen ist ein Luxus den sich kaum einer leisten kann. Hand aufs Herz, die eine oder andere Erinnerung würde doch jeder gerne aus seinem Gedächtnis streichen. Sei es weil es einfach nicht in das Gesamtbild eines Menschen passt oder weil man es einfach nicht wahr haben möchte, dass einem soetwas schreckliches oder peinliches jemals widerfahren ist.
Erstaunlicherweise sind es garnicht die Leute, mit denen uns viel verband, die, die uns lange verfolgen. Es sind die Menschen die einem Unrecht angetan haben, Schmerzen zugefügt oder seelisch verletzt haben. Der Hass auf diese Menschen bleibt – oft das ganze Leben lang – es kommt sogar vor, dass der Hass über Generationen weiterleben darf. Er wird weitergegeben und verstärkt durch neue “Erkenntnisse”. Oft genug reicht die Saat in Form von Zweifeln um ein Gebilde aus Vorurteilen, Verleumdungen und dem daraus entstehenden Hass entstehen zu lassen.
Hass im Gegensatz zu vielen anderen Emotionen ist viel realer als positive Gefühle wie Freude, Lust, Liebe. Man kann Hass fühlen. Er sitzt irgendwo zwischen den Rippen und dem Rückgrad und einmal entfacht rast das Herz und pocht wie wild, Hitze steigt ein einem Menschen auf und Aggression baut sich innerhalb von Sekunden auf. Welches andere Gefühl ist so real? So fühlbar? So lange haltbar? Freundschaft, Zuneigung, Liebe – das alles sind vergängliche Gefühle, nur Hass darf bleiben.
Hass auf etwas oder jemanden ist nicht gut, er zerfrisst die Seele eines Menschen. Trotzdem bleibt er immer bei uns/in uns. Man kann ihn nicht loswerden – nur durch den Tod.

Vergiß-mein-nicht – Segen oder Fluch? Manchmal würde ich lieber vergessen und den Hass der sich in meiner Brust festgefressen hat einfach hinausspülen, doch dann weiß ich doch, dass ich nicht der wäre der ich bin. Denn nur mit den Erinnerungen und den Gefühlen die ich in mir trage bin ich ich – ein Individuum das aus den lebendigen Erinnerungen meiner Erlebnisse resultiert.